Bild-Sprache

Die eine Zeile, die Erich Kästner hier wohl meint, stellt eine Verdichtung der Gedanken dar und findet Ausdruck in Form eines Zitates oder Aphorismus. 

Wählt man ein Zitat aus einem Text, so stellt dieses einen Schlüsselgedanken dar, eine Erkenntnis, mit der man einen Kontext erschließen kann – so wie eine Fotografie durch ihren Ausschnitt und die Fokussierung auf ein Detail das Ganze neu wahrnehmen lässt.

Fotos können Geschichten erzählen und/oder Geschichten auslösen, obgleich sie ´sprachlos´ sind, Zitate und Aphorismen können Bilder und Visionen auslösen, obgleich sie bildlos sind. Fotos wie Zitate und Aphorismen können Resonanzen erzeugen, beide für sich und auf ihre Art - die sprachliche Ausdrucksform wie die visuelle Komposition können unabhängig voneinander beim Leser und bei der Leserin wie beim Betrachter und bei der Betrachterin viel bewegen. Auf der Deutungsebene können sich damit Text und Bild begegnen, sich ergänzen oder eine Suchbewegung nach vermuteten Zusammenhängen auslösen. Das Verweilen kann so verstärkt werden, das Anschauen ein Hineinschauen begünstigen, auch ein Hineinschauen in sich selbst. 

Fotos helfen sichtbar zu machen, was sonst verborgen, Texte lassen aufhorchen, was ansonsten stumm bleibt – eine gelungene Komposition lässt aufhorchen und ermöglicht Einblicke.