Stille Welten - 

Industriekultur

„Stille Welten...” - als solche stellt sich heute eine einstmals Kohle verarbei­tende, das Ruhrgebiet dominierende Industrie dar, die vormals lärmend und energiegeladen war und sich nun von einer anderen Seite zeigt: Die arbeitenden Menschen sind verschwunden, die Maschinen und was von ihnen übrig geblieben ist sind geblieben.

Die eingespielten Abläufe zwischen Maschinen und Menschen gehören der Vergangenheit an, die überdimensionalen Maschi­nen, machtvoll mit ihren Möglichkeiten Bodenschätze zu bergen und diese weiter zu verarbeiten, dem Menschen untertan und ihn untertan machend - eine Abhängigkeit voller Ambivalenzen - sind nur noch als Spuren erkennbar. Rost wird ein Zeichen des Verfalls, die Natur, einst verbannt und zurückgedrängt, nimmt sich ihren Raum. Nichts funktioniert mehr und dennoch ist erkennbar, was vormals war, der Phantasie fällt es nicht schwer, den einstigen Abläufen und dem Arbeitsleben nachzuspüren.

Industriekultur zu fotografieren beutet den Wandel zu erfassen, die Zeitlichkeit in den Fokus zu nehmen - in einem einzigen Foto kann sich so Veränderung ausdrücken, werden Zeitspuren deutlich: Aus Lärm wurde Stille, aus Energie wurde Innehalten, statt Menschen nur noch Leere, aus dem funktional Nützlichem und oft Hässlichem entfaltet sich eine Ästhetik der ganz eigenen Art. Betrachtet man das jetzt so Sichtbare und übrig Gebliebene, spürt man diese Gegensätze zwischen dem jetzt und dem früher — so rückt die Zeit ins Bild, die Verwunderung über das, was neu entstehen kann, wenn das alte seiner Funktionalität beraubt wird.

Industrie ist zur Kultur geworden, die Fotografie kann mehr sein als eine Dokumentation, eine Fixierung der Zeit in Bildern — Fo­tografie wird zu einer ästhetischen Rezeption der Wandlung, sie verwirrt und schafft Einsichten über die Vergänglichkeit dessen, was der Mensch geschaffen hat, sie lässt staunen, welche Schön­heit in einer synergetischen Symbiose verborgen sein kann, wenn zum Beispiel Natur und Technik zusammenfinden.

Industriekultur fotografieren ist Spurensuche, ist die Suche nach dem Ausdruck für Vergänglichkeit, der Versuch, den Wandel zu verdeutlichen: Das Vergangene stellt sich nicht mehr dar wofür es mal war, es bleibt erkennbar und findet sich in einem neuen Kontext wieder und geht zum Teil neue Verbindungen ein: Natur und Technik verschmelzen, die Zeit als Kriterium industrieller Effizienz wandelt sich in eine ruhende Besinnlichkeit.